Es beginnt mit einem dunklen Fleck in der Zimmerecke, hinter dem Schrank, am Fensterrahmen. Schimmel in der Wohnung ist im Herbst und Winter ein verbreitetes Ärgernis, und oft liegt die Ursache nicht am Bau, sondern an einer Gewohnheit, die gut gemeint ist. Das ganztags gekippte Fenster, das eigentlich für frische Luft sorgen soll, macht die Sache schlimmer.
Wie Schimmel entsteht
In jeder Wohnung entsteht laufend Feuchtigkeit. Ein Vier-Personen-Haushalt gibt durch Atmen, Kochen, Duschen und Wäschetrocknen bis zu 15 Liter Wasser pro Tag als Wasserdampf an die Raumluft ab.
Schimmel entsteht, wenn diese feuchte Luft an kalten Stellen kondensiert. Besonders häufig passiert das an schlecht gedämmten Aussenwänden, in Zimmerecken oder rund um Fenster. Solche Bereiche gelten als Wärmebrücken und kühlen schneller aus als andere Bauteile.
Schimmelsporen befinden sich praktisch überall in der Luft. Wachsen können sie erst, wenn an einer Stelle dauerhaft eine relative Feuchtigkeit von mehr als 80 Prozent erreicht wird. Für Wohnräume gilt eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent als ideal.
Wer Schimmelsporen einatmet, kann allergische oder reizende Reaktionen entwickeln. Deshalb lohnt es sich, Feuchtigkeit möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.
Der Denkfehler mit dem gekippten Fenster
Viele glauben, ein gekipptes Fenster sorge den ganzen Tag über für frische Luft. Tatsächlich findet dabei nur wenig Luftaustausch statt. Gleichzeitig kühlt die Wand rund um das Fenster aus.

Genau dort schlägt sich die Feuchtigkeit aus der Raumluft nieder. Das erhöht das Schimmelrisiko ausgerechnet an der Stelle, an der gelüftet werden soll. Gleichzeitig geht unnötig Heizwärme verloren.
Das dauerhaft gekippte Fenster gehört deshalb zu den häufigsten Ursachen für Schimmel in Wohnräumen. Es fühlt sich nach guter Lüftung an, erreicht aber das Gegenteil.
Richtig lüften, kurz und kräftig
Wirksam ist das Stosslüften. Dabei werden die Fenster mehrmals täglich vollständig geöffnet. Noch effizienter ist das Querlüften, wenn gegenüberliegende Fenster gleichzeitig geöffnet werden und ein kurzer Durchzug entsteht.

Im Winter reichen dafür meist 5 bis 10 Minuten. In Frühling und Herbst genügen etwa 10 bis 15 Minuten. Im Sommer darf deutlich länger gelüftet werden. Je kälter die Aussenluft ist, desto schneller wird die feuchte Raumluft ausgetauscht.
Richtig lüften, kurz und kräftig
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Lüften bei Nebel, Schnee oder winterlicher Kälte zusätzliche Feuchtigkeit in die Wohnung bringt. Tatsächlich ist kalte Aussenluft physikalisch trocken. Erwärmt sie sich im Raum, kann sie Feuchtigkeit aufnehmen und beim nächsten Lüften wieder nach draussen transportieren.
Während des Lüftens lohnt es sich, die Heizung kurz herunterzudrehen. Nach dem Duschen oder Kochen sollte sofort gelüftet oder die Abluft eingeschaltet werden, bis die Feuchtigkeit sichtbar zurückgeht. Auch das Trocknen von Wäsche in Wohnräumen erhöht die Luftfeuchtigkeit deutlich und begünstigt Schimmel.
Warum sanierte Häuser stärker betroffen sind
Nach einem Fenstertausch oder einer Fassadendämmung wird ein Gebäude deutlich dichter. Das spart Heizenergie, verändert aber auch das Raumklima.
Feuchtigkeit, die früher durch undichte Fenster oder Fugen entweichen konnte, bleibt heute länger im Gebäude. Gerade im sanierten Altbau kann das Schimmelrisiko deshalb steigen, wenn das Lüftungsverhalten unverändert bleibt.
Wie Fachleute erklären, entstehen Feuchtespitzen nach einer energetischen Sanierung häufiger an noch kalten Bauteilen. Wer energetisch saniert, sollte sein Lüftungsverhalten deshalb anpassen oder je nach Gebäude über eine kontrollierte Wohnraumlüftung nachdenken. Auch die Gestaltung der Gebäudehülle verdient nach einer Sanierung Aufmerksamkeit, etwa bei der Wahl der passenden Fassadenfarbe.
Wann es nicht am Lüften liegt
Tritt Schimmel trotz richtigem Lüften immer wieder auf, steckt möglicherweise nicht das Wohnverhalten dahinter. Fehlende oder mangelhafte Dämmung, ausgeprägte Wärmebrücken oder eindringende Feuchtigkeit von aussen können ebenfalls die Ursache sein.
In solchen Fällen hilft häufigeres Lüften allein nicht weiter. Dann sollte eine Fachperson oder ein Bausachverständiger die Ursache untersuchen. Schimmel einfach zu überstreichen beseitigt das Problem nicht, entscheidend ist, den Auslöser zu finden und dauerhaft zu beheben.



