Wer seine Heizung im Herbst richtig einstellt, kann laut EnergieSchweiz so viel Energie sparen, dass das eingesparte Geld jedes sechste Jahr für die Öl- oder Gasrechnung reicht. Dafür braucht es weder eine neue Heizung noch eine zusätzliche Investition. Entscheidend ist, dass die bestehende Anlage nicht mehr Energie verbraucht als nötig. Der Beginn der Heizsaison ist der richtige Zeitpunkt, um Einstellungen und Wärmeverteilung zu kontrollieren.
Nach dem Einschalten zuerst die Heizkörper prüfen
Nach längerer Sommerpause lohnt sich zunächst eine einfache Kontrolle. EnergieSchweiz empfiehlt, rund eine halbe Stunde nach der Inbetriebnahme zu prüfen, ob die Heizkörper gleichmässig warm werden.
Ist das nicht der Fall, kann sich Luft im Heizsystem befinden. Die Heizkörper können dann entlüftet und der Wasserstand der Anlage kontrolliert werden. Das Entlüften gehört zu den Arbeiten, die Bewohnerinnen und Bewohner in der Regel selbst vornehmen können.
Daneben lohnt sich ein Blick auf die Betriebszeiten. Die Heizung muss nicht während des gesamten Tages mit derselben Einstellung laufen. EnergieSchweiz empfiehlt, die Betriebszeiten an den eigenen Tagesrhythmus anzupassen. Nachts und während längerer Abwesenheiten genügt eine niedrigere Temperatur, während morgens und abends der Vollbetrieb für Wärme sorgt.
Heizkörper brauchen Platz für die Wärme
Auch die Wärmeverteilung im Raum beeinflusst den Betrieb. Heizkörper sollten deshalb nicht durch Möbel, Vorhänge oder Abdeckungen blockiert werden. Steht beispielsweise ein Möbelstück unmittelbar davor, kann sich die Wärme schlechter im Raum verteilen.

Nicht jeder Raum muss zudem gleich stark beheizt werden. Wenig genutzte Räume wie ein Gästezimmer oder eine Abstellkammer können auf Sparflamme betrieben werden. EnergieSchweiz nennt dafür bei Thermostatventilen die Position mit dem Sternchen, die für Grundwärme sorgt.
Ein weiterer Punkt betrifft den Heizraum. EnergieSchweiz empfiehlt, ihn aufgeräumt zu halten, weil dies die Effizienz der Anlage steigert. Gerade zum Beginn der Heizsaison lassen sich diese einfachen Kontrollen miteinander verbinden.
Die Heizkurve bestimmt, wie stark geheizt wird
Mehr Aufmerksamkeit verlangt die Heizkurve. Sie beeinflusst, mit welcher Temperatur das Heizwasser abhängig von den Bedingungen betrieben wird. Wer sie verändert, greift damit unmittelbar in die Regelung der Anlage ein.
Wie stark sich eine Veränderung auswirkt, hängt auch vom Wärmeabgabesystem ab. Nach Angaben des Bundesamts für Energie führt bei Radiatoren eine Absenkung der Heizkurve um 5 Grad zu einer um 2,5 Grad tieferen Raumtemperatur. Wird die Heizkurve um 5 Grad erhöht, steigt die Raumtemperatur entsprechend um 2,5 Grad.
Bei einer Bodenheizung ist das Verhältnis anders. Eine Absenkung der Heizkurve um 2 Grad bewirkt eine um 2 Grad tiefere Raumtemperatur. Eine Erhöhung um 2 Grad führt entsprechend zu einer um 2 Grad höheren Raumtemperatur.
Nicht mehrere Einstellungen gleichzeitig verändern
Wer Zugang zur Heizungsregelung hat und die Funktionsweise seiner Anlage kennt, kann die Heizkurve schrittweise anpassen. Anders als beim Entlüften eines Heizkörpers oder beim Drehen eines Thermostatventils setzt dieser Eingriff jedoch Verständnis für die konkrete Anlage voraus.
Im Zweifel sollte deshalb eine Heizungsfachperson beigezogen werden. Das gilt insbesondere dann, wenn unklar ist, welche Einstellung verändert werden muss oder wie die Regelung der eigenen Anlage arbeitet.
Wichtig ist zudem, nicht mehrere Parameter gleichzeitig zu verändern. Sonst lässt sich später kaum feststellen, welche Anpassung für eine Veränderung der Raumtemperatur verantwortlich war.
Die Optimierung einer Heizung ist deshalb keine Aufgabe, die zwingend an einem Nachmittag abgeschlossen ist. Besonders deutlich wird das bei Wärmepumpen.
Bei Wärmepumpen kann die Einstellung Wochen dauern
Bei einer Wärmepumpe spielt die Vorlauftemperatur eine wichtige Rolle. Ein Faktenblatt der Stadt Zürich beschreibt ein schrittweises Vorgehen, um sie über die Heizkurve zu reduzieren.

Im ersten Schritt wird die Heizkurve abgesenkt. Bei Heizkörpern beträgt diese erste Absenkung 5 Grad, bei einer Fussbodenheizung 3 Grad. Danach wird beobachtet, ob die gewünschten Raumtemperaturen weiterhin erreicht werden.
Weitere Anpassungen erfolgen bewusst langsam. Die Vorlauftemperatur soll maximal einmal pro Woche um jeweils 2 bis 3 Grad weiter abgesenkt werden. Der gesamte Vorgang kann sich dadurch über mehrere Wochen erstrecken.
Wer dabei unsicher ist, sollte die Einstellung nicht auf Verdacht verändern, sondern eine Heizungsfachperson beiziehen.
Betriebsoptimierung statt vorschnellem Ersatz
Eine bestehende Anlage effizienter einzustellen ist etwas anderes als eine Heizung zu ersetzen. EnergieSchweiz bezeichnet die Betriebsoptimierung als Möglichkeit, die eingesetzte Energie effizienter zu nutzen und unnötige Verluste zu vermeiden.
Das ist auch für Eigentümer relevant, die über eine Erneuerung ihrer Heizung nachdenken. Ein Ersatz ist nicht automatisch der erste sinnvolle Schritt. Darauf geht auch unser Artikel «Warum die neue Heizung der teuerste erste Schritt sein kann» ein.
Für die Betriebsoptimierung nennt EnergieSchweiz einen anschaulichen Vergleich: Jahr für Jahr könne ohne Investitionen oder Arbeitsaufwand eine Energiemenge eingespart werden, die einer ganzen Badewanne voller Heizöl entspricht. Das eingesparte Geld reiche aus, um damit jedes sechste Jahr die Öl- oder Gasrechnung zu bezahlen.



