2800 Franken pro Quadratmeter, 4600 Franken, 5500 Franken: Wer im Internet nach den Baukosten für ein Haus in der Schweiz sucht, bekommt schnell sehr unterschiedliche Antworten. Je nach Anbieter finden sich Spannweiten von 2800 bis 4600, von 3000 bis 5500 oder von 4000 bis 5500 Franken pro Quadratmeter. Bei Angaben pro Kubikmeter reicht die Spanne von etwa 600 bis 1200 Franken.
Das Problem liegt nicht nur in der Höhe der Zahlen. Häufig ist schon die Berechnungsgrundlage eine andere. Wer solche Angaben miteinander vergleicht, kann deshalb zwei Werte gegenüberstellen, die gar nicht dasselbe messen. Hinzu kommt, dass viele der kursierenden Zahlen von Unternehmen stammen, die gleichzeitig eine Dienstleistung oder ein Bauprodukt verkaufen.
2800 oder 5500 Franken pro Quadratmeter?
Die grosse Spannweite fällt besonders auf, weil die Zahlen auf den ersten Blick eindeutig erscheinen. Ein Quadratmeter ist schliesslich eine klar definierte Fläche. Für die Beurteilung von Baukosten reicht die Einheit allein aber nicht.
Eine Angabe kann sich beispielsweise auf eine bestimmte Nutzfläche beziehen. Eine andere Berechnung arbeitet mit dem Gebäudevolumen nach SIA 416 und weist die Kosten pro Kubikmeter aus. Ein allgemeingültiges Verhältnis, mit dem sich Kubikmeter einfach in Quadratmeter umrechnen lassen, gibt es nicht.
Wie viel Volumen einer bestimmten Fläche gegenübersteht, hängt vom Gebäude ab. Geschosshöhen, Dachform, Untergeschoss und die Organisation des Grundrisses beeinflussen das Verhältnis. Zwei Häuser mit ähnlicher Fläche können deshalb unterschiedliche Gebäudevolumen haben.
Nicht überall sind dieselben Kosten enthalten
Eine zweite Schwierigkeit steckt im Umfang der angegebenen Kosten. Manche Zahlen beziehen sich auf die reinen Erstellungskosten. Andere Berechnungen enthalten zusätzlich Nebenkosten.
Ohne eine genaue Definition lässt sich deshalb nicht erkennen, welche Leistungen im genannten Betrag tatsächlich enthalten sind. Selbst zwei Angaben, die beide in Franken pro Quadratmeter ausgewiesen werden, müssen nicht denselben Kostenumfang abbilden.
Hinzu kommt die Herkunft. Bei vielen im Internet verbreiteten Angaben bleibt unklar, auf welcher Datengrundlage sie beruhen. Teilweise fehlen Angaben zum Erhebungszeitpunkt, zur untersuchten Region oder zur Art der ausgewerteten Bauprojekte.
Die Spannweiten von 2800 bis 5500 Franken pro Quadratmeter und 600 bis 1200 Franken pro Kubikmeter sind deshalb in diesem Artikel keine Richtwerte für Bauherren. Sie zeigen lediglich, wie unterschiedlich die Angaben ausfallen, auf die Interessierte bei einer Suche stossen können.
Ein ähnliches Problem zeigt sich bei Baulandpreisen in der Schweiz: Eine einzelne Zahl kann ohne vergleichbare Grundlage einen falschen Eindruck vermitteln.
Was das Bundesamt für Statistik tatsächlich misst
Eine belastbarere Grundlage für die Entwicklung der Preise liefert der schweizerische Baupreisindex des Bundesamts für Statistik (BFS). Er wird im Rahmen der Preisstatistik zweimal jährlich erhoben, jeweils per 1. April und 1. Oktober. Die Ergebnisse werden im Juni und Dezember publiziert. Der Index misst die Preisentwicklung wichtiger Bauwerksarten im Hoch- und Tiefbau.
Zwischen Oktober 2025 und April 2026 stieg der Baupreisindex um 0,6 Prozent auf 100,6 Punkte. Als Basis dient Oktober 2025 mit 100 Punkten. Gegenüber dem Vorjahr lag das Preisniveau im Baugewerbe 1,0 Prozent höher.
Im Hochbau waren gegenüber dem vorangehenden Halbjahr vor allem höhere Preise bei einzelnen Arbeiten für den Anstieg verantwortlich. Dazu gehörten Mauerarbeiten im Rohbau 1, Holz-Metall-Fenster im Rohbau 2 und Innentüren aus Metall im Ausbau 1.

Regional legten die Preise in allen Grossregionen zu. Am stärksten war die Zunahme im Tessin mit 1,4 Prozent, gefolgt von der Zentralschweiz mit 1,3 Prozent.
Diese Zahlen beantworten allerdings eine andere Frage als die im Internet kursierenden Quadratmeterpreise. Der Baupreisindex erfasst die Preisentwicklung. Er sagt nicht, dass ein Einfamilienhaus in der Schweiz aktuell einen bestimmten Betrag pro Quadratmeter kosten muss.
Baupreis und Baukosten sind nicht dasselbe
Auch die Begriffe Baupreis und Baukosten sollten nicht gleichgesetzt werden. Für die Einordnung spielt eine Rolle, ob ein Preis bereits vertraglich festgelegt wurde.
Der Baupreisindex gilt, solange die Preise noch nicht durch einen Vertrag oder eine Auftragsvergabe fixiert wurden. In dieser Phase sind Baupreise eine Annahme und verhandelbar. Sobald die Preise vertraglich festgelegt sind, kommt der Baukostenindex ins Spiel.
Diese Unterscheidung ist gerade für private Bauherren relevant. Eine Preisangabe, die während einer frühen Planung im Raum steht, hat einen anderen Charakter als ein Betrag, der später vertraglich vereinbart wurde.
Auch deshalb ist die Entscheidung, wie ein Bauprojekt geplant und vergeben wird, von Bedeutung. Beim Bauen mit General- oder Totalunternehmer werden Leistungen unterschiedlich gebündelt und die Vertragsbeziehungen entsprechend anders ausgestaltet.
Die grossen Preissprünge haben sich abgeschwächt
Die aktuelle Lage unterscheidet sich von der aussergewöhnlichen Phase nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Der Schweizerische Baumeisterverband hält fest, dass die Baukosten in diesem und im nächsten Jahr nur geringfügig steigen dürften. Von den Steigerungen von rund 15 Prozent, die im Zuge des Ukraine-Kriegs zu beobachten waren, ist die aktuelle Entwicklung damit deutlich entfernt.
Laut den KBOB-Materialpreisindizes vom April 2026 haben sich insbesondere Diesel und Bitumen verteuert. Zahlreiche andere Materialien lagen höchstens fünf Prozent über dem Vorjahresmonat oder waren inzwischen sogar günstiger.
Auch die Versorgung mit Baumaterial hat sich entspannt. Nur noch sechs Prozent der Bauunternehmen melden Probleme bei der Verfügbarkeit von Baumaterial. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs war davon jedes zweite Unternehmen betroffen.
Worauf es bei Quadratmeterpreisen ankommt
Wer eine Zahl zu den Baukosten in der Schweiz liest, sollte zuerst prüfen, worauf sie sich bezieht. Entscheidend ist, ob nach Fläche oder Volumen gerechnet wurde, welche Flächen- beziehungsweise Volumendefinition verwendet wird und welche Kostenbestandteile im Betrag enthalten sind.

Ebenso wichtig ist die Herkunft. Eine Zahl ohne nachvollziehbare Datengrundlage lässt sich kaum einordnen. Das gilt besonders dann, wenn der Anbieter hinter der Zahl gleichzeitig ein wirtschaftliches Interesse am Bauprojekt hat.
Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Der Baupreisindex zeigt, dass sich Preise verändern und regionale Unterschiede bestehen. Eine ältere Angabe kann deshalb eine andere Marktsituation abbilden als eine aktuelle.
Eine belastbare Kostenschätzung ist erst auf Basis eines konkreten Projekts möglich und sollte durch eine entsprechende Fachperson erfolgen.



