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Die fünf teuersten Fehler bei der Hausrenovation, und wie man sie vermeidet

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
20.07.2026
renovationsfehler vermeiden, Bauplan für die Planung einer Hausrenovation
Die teuersten Renovationsfehler entstehen meist lange vor Baubeginn – nämlich bei der Planung.
Darum gehts
  • Die meisten Renovationen werden nicht durch ein Ereignis teuer, sondern durch Planungsfehler.
  • Wer Reserve, Reihenfolge und Bewilligungen früh klärt, spart am meisten.
  • Schon ein zu früh erteilter Auftrag kann Fördergelder von mehreren Tausend Franken kosten.

Das Budget stand, die Handwerker waren bestellt, und trotzdem kostet die Renovation am Ende 30’000 Franken mehr als geplant. Beim Aufreissen des Bodens kam feuchtes Mauerwerk zum Vorschein, die Förderung war zu spät beantragt, und der Maler stand da, bevor der Elektriker fertig war. Kein einzelner grosser Fehler, sondern viele kleine, vermeidbare. Genau daran scheitern die meisten Renovationen, nicht am fehlenden Geld, sondern an der fehlenden Planung. Die fünf häufigsten Fehler, und wie man sie umgeht.

Wenn aus dem Budget plötzlich ein Loch wird

Die Überraschung beginnt oft erst, wenn die ersten Wände geöffnet oder Böden entfernt werden. Hinter einer scheinbar intakten Oberfläche tauchen feuchte Stellen, marode Leitungen oder beschädigte Konstruktionen auf. Wer frühzeitig Warnzeichen an der Fassade erkennen kann, verhindert oft, dass kleine Schäden später zu teuren Sanierungen werden. Gleichzeitig fehlen plötzlich Positionen im Budget, an die zuvor kaum jemand gedacht hat.

Dabei liegen die eigentlichen Ursachen meist nicht auf der Baustelle, sondern Wochen oder Monate davor. Wer eine Renovation sauber vorbereitet, spart häufig mehr Geld als später mit der günstigsten Offerte. Eine umfassende Sanierung kostet in der Schweiz je nach Gebäude, Zustand und Ausbaustandard als Richtwert rund 800 bis über 2’500 Franken pro Quadratmeter. Bei einem Fünf-Zimmer-Haus entspricht das häufig 20 bis 40 Prozent des Gebäudewerts. Muss ein älterer Altbau umfassend saniert werden, können die Kosten sogar 80 bis 100 Prozent der ursprünglichen Baukosten erreichen.

Nicht das einzelne Missgeschick macht Renovationen teuer. Es ist die Summe kleiner Planungsfehler, die sich gegenseitig verstärken.

Fehler eins: keine Reserve einplanen

Das Wohnzimmer ist bereits leergeräumt, der Boden entfernt. Erst jetzt zeigt sich, dass unter dem alten Belag Feuchtigkeit eingedrungen ist. Gleichzeitig müssen Leitungen ersetzt werden, die auf keinem ursprünglichen Plan verzeichnet waren.

Baustelle eines Einfamilienhauses während einer umfassenden Renovation
Versteckte Mängel und unvorhergesehene Arbeiten können das Renovationsbudget schnell erhöhen.

Genau für solche Überraschungen empfehlen Fachleute, von Anfang an eine finanzielle Reserve von 15 bis 20 Prozent des gesamten Renovationsbudgets einzuplanen. Auf Baustellen tauchen fast immer Arbeiten auf, die vorher nicht sichtbar waren. Ohne Reserve muss plötzlich an anderer Stelle gespart oder das Budget kurzfristig erhöht werden.

Oft werden zudem Nebenkosten unterschätzt. Allein Entsorgung von Bauschutt, Container, Bewilligungsgebühren oder kleinere Zusatzarbeiten können je nach Projekt weitere 5’000 bis 15’000 Franken ausmachen. Wer diese Posten bereits in der Planung berücksichtigt, verhindert, dass aus einer gut kalkulierten Renovation plötzlich eine finanzielle Belastung wird.

Fehler zwei: alles auf einmal wollen

Wer ein älteres Haus besitzt, entdeckt schnell neue Baustellen. Die Küche könnte moderner sein, das Bad ebenfalls. Gleichzeitig wäre eine neue Heizung sinnvoll, die Fenster sind nicht mehr zeitgemäss und die Fassade könnte ebenfalls einen Anstrich vertragen.

Gerade hier entsteht häufig der zweite grosse Fehler. Alles gleichzeitig umzusetzen klingt effizient, führt aber oft zu unnötig hohen Kosten und überfordert das Budget.

Sinnvoller ist es, zwischen dringend notwendigen und aufschiebbaren Arbeiten zu unterscheiden. Ein undichtes Dach, Schimmel oder eine ausgefallene Heizung dulden keinen Aufschub. Neue Bodenbeläge oder eine modernere Küche können dagegen häufig später umgesetzt werden, ohne dass dadurch zusätzliche Schäden entstehen.

Eine professionelle Bestandsaufnahme hilft dabei, die tatsächlichen Prioritäten zu erkennen. Besonders ein GEAK Plus zeigt nicht nur den energetischen Zustand eines Gebäudes, sondern schlägt auch eine sinnvolle Reihenfolge der Sanierung vor. Oft zeigt sich erst bei einer solchen Analyse, welche Massnahmen wirklich dringend sind und welche problemlos noch einige Jahre warten können.

Fehler drei: die falsche Reihenfolge

Der Elektriker zieht neue Leitungen ein. Kurz danach verputzt der Gipser die Wände. Anschliessend kommt der Maler. Diese Reihenfolge wirkt selbstverständlich, entscheidet aber oft darüber, ob eine Renovation effizient oder teuer wird.

Elektriker erneuert Elektroinstallation während einer Hausrenovation
Die Reihenfolge der Gewerke entscheidet darüber, ob eine Renovation reibungslos verläuft oder unnötige Mehrkosten entstehen.

Wer dagegen frisch gestrichene Wände später wieder öffnen muss, bezahlt dieselbe Arbeit zweimal. Genau solche Doppelspurigkeiten entstehen, wenn Gewerke nicht sauber aufeinander abgestimmt sind.

Dasselbe Prinzip gilt auch für die energetische Sanierung eines Hauses. Zuerst sollte die Gebäudehülle verbessert werden, danach folgt der Heizungsersatz. Wer diesen Ablauf umkehrt, riskiert eine überdimensionierte Heizungsanlage, die später nach der Dämmung nicht mehr optimal arbeitet. Darum lohnt es sich, bereits vor Projektbeginn die richtige Reihenfolge bei der Sanierung festzulegen und sämtliche Arbeiten darauf abzustimmen.

Selbst hervorragende Handwerker können Zeit und Geld nicht zurückholen, wenn der Ablauf von Anfang an falsch geplant wurde.

Fehler vier: die Förderung zu spät beantragen

Die Wärmepumpe ist bestellt, der Handwerker hat den Auftrag erhalten und der Baustart ist in zwei Wochen geplant. Erst jetzt kommt die Frage auf, ob es dafür eigentlich Fördergelder gibt.

Genau an diesem Punkt wird jedes Jahr viel Geld verschenkt. Bei den meisten Schweizer Förderprogrammen muss das Gesuch vor Baubeginn eingereicht werden. Je nach Programm muss sogar bereits eine Förderzusage vorliegen, bevor Arbeiten ausgelöst werden.

Der entscheidende Punkt wird häufig missverstanden: Als Baubeginn gilt im Förderkontext nicht erst der Moment, in dem die Handwerker auf der Baustelle erscheinen. Bereits eine verbindlich unterschriebene Offerte, die Bestellung einer Wärmepumpe oder der Beginn einzelner Vorarbeiten können dazu führen, dass der Förderanspruch entfällt.

Wer zuerst unterschreibt und erst danach das Gesuch stellt, verliert unter Umständen mehrere Tausend Franken Unterstützung.

Deshalb lohnt sich vor jeder energetischen Sanierung zuerst die Förderfähigkeit zu prüfen, das Gesuch einzureichen und die Rückmeldung abzuwarten. Erst danach sollte der Auftrag definitiv vergeben werden. Welche Programme am eigenen Wohnort gelten, lässt sich über Förderung vor Baubeginn beantragen einfach nach Postleitzahl prüfen. Da Förderbedingungen kantonal und je nach Programm unterschiedlich sind, empfiehlt sich zusätzlich eine frühzeitige Rücksprache mit der zuständigen Förderstelle oder Gemeinde.

Fehler fünf: Offerten, die niemand vergleichen kann

Drei Offerten liegen auf dem Tisch. Eine kostet 58’000 Franken, die zweite 64’000 Franken und die dritte knapp 71’000 Franken. Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung einfach.

Beim genaueren Lesen zeigt sich jedoch, dass jede Offerte etwas anderes enthält. Eine rechnet das Gerüst separat ab, eine andere verzichtet auf die Entsorgung des Bauschutts, bei der dritten fehlen Vorbereitungsarbeiten.

Wer solche Angebote miteinander vergleicht, vergleicht nicht Preise, sondern unterschiedliche Leistungen.

Deshalb beginnt eine gute Offerte bereits mit einer klar formulierten Anfrage. Je genauer beschrieben ist, welche Arbeiten ausgeführt werden sollen, desto besser lassen sich die Angebote später vergleichen. Das verhindert teure Nachträge und unangenehme Überraschungen während der Bauphase.

Der günstigste Preis ist deshalb nicht automatisch das beste Angebot. Entscheidend ist, welche Leistungen tatsächlich enthalten sind, wie transparent die Offerte aufgebaut ist und ob der Betrieb nachvollziehbar erklärt, wie er zum Preis kommt. Ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis spart langfristig oft mehr Geld als der niedrigste Endbetrag.

Was alle fünf Fehler gemeinsam haben

Feuchtes Mauerwerk hinter dem Boden, eine verspätete Förderung oder eine frisch gestrichene Wand, die nochmals geöffnet werden muss, wirken auf den ersten Blick wie unglückliche Zufälle. Tatsächlich lassen sich die meisten dieser Situationen vermeiden.

Der Schweizer Architekt Martin Bonauer weist sinngemäss darauf hin, dass Renovationen häufig nicht an einzelnen Problemen scheitern, sondern an einer ungenügenden Vorbereitung. Eine klare Struktur und realistische Planung seien entscheidend, um Kosten und Überraschungen zu begrenzen.

Genau darin liegt die wichtigste Erkenntnis. Nicht das Haus macht die Renovation teuer, sondern fehlende Entscheidungen am Anfang des Projekts. Wer genügend Reserve einplant, die Arbeiten sinnvoll priorisiert, die richtige Reihenfolge einhält, Fördergelder früh beantragt und vergleichbare Offerten einholt, schafft die Grundlage dafür, dass die Baustelle später planbar bleibt.

Die teuerste Stunde einer Renovation ist oft nicht jene mit dem Bagger oder Bohrhammer. Es ist die Stunde, in der die Planung ausgelassen wird.

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