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«Die Abendsonne auf der Terrasse kann man nicht anpassen»

Marco Baumann
von
Marco Baumann
05.10.2026
Anisa Imhof bei einem Porträt im Freien
Anisa Imhof war früher im Immobilienverkauf tätig und präsentiert heute Liegenschaften vor der Kamera. Bild: Anisa Imhof
Darum gehts ∧
  • Anisa Imhof war früher im Immobilienverkauf tätig und filmt heute Liegenschaften.
  • Licht, Grundriss und Details prägen die Wirkung eines Hauses.
  • Beim Hauskauf zählt besonders, was sich später kaum verändern lässt.

Anisa Imhof war früher im Immobilienverkauf tätig und kennt Häuser deshalb nicht nur aus der Perspektive der Kamera. Heute filmt sie Liegenschaften und versucht sichtbar zu machen, was ein Zuhause besonders macht.

Im Interview spricht sie darüber, was ihr in Häusern immer wieder auffällt, wo beim Bauen und Sanieren am falschen Ort gespart wird und warum Eigentümer den Wert ihres Hauses häufig anders einschätzen als der Markt. Ausserdem erklärt sie, worauf Menschen achten sollten, wenn sie ein Haus kaufen oder sanieren.

Was Sie in Häusern sehen

Sie haben in Ihrer Laufbahn sehr viele Häuser von innen gesehen, teure wie ganz normale. Was fällt Ihnen dabei immer wieder auf, das den Bewohnern selbst gar nicht mehr bewusst ist?

Vor allem, wie stark der Alltag den Blick auf das eigene Zuhause verändert. Wer über Jahre in einem Haus lebt, nimmt vieles nicht mehr bewusst wahr, im Positiven wie im Negativen. Kleine Unstimmigkeiten fallen nicht mehr auf, gleichzeitig werden auch die besonderen Qualitäten selbstverständlich: eine aussergewöhnliche Aussicht, grosszügige Raumhöhen oder ein schöner Lichteinfall. Wenn wir eine Liegenschaft filmen, rücken genau diese Qualitäten wieder in den Vordergrund. Nicht selten sehen Eigentümer ihr Zuhause im fertigen Video mit neuen Augen.

Gibt es etwas, das Sie in fast jedem Haus sehen und von dem Sie sich wünschen würden, die Leute hätten es anders gemacht?

Ja, die Beleuchtung. Selbst in sehr hochwertigen Liegenschaften wird dem künstlichen Licht oft erstaunlich wenig Beachtung geschenkt. Während Materialien und Einrichtung bis ins Detail ausgewählt werden, bleibt das Licht häufig eine reine Nebensache. Dabei prägt kaum etwas die Atmosphäre eines Raumes so stark wie ein durchdachtes Lichtkonzept. Es entscheidet mit darüber, ob ein Raum einfach schön aussieht oder ob man sich darin wirklich wohlfühlt.

Was verrät ein Haus über die Menschen, die darin leben, bevor diese überhaupt ein Wort gesagt haben?

Man sieht schnell, was den Menschen wichtig ist: ob die Küche das Zentrum ist, ob Kunst an den Wänden hängt oder Familienfotos, ob alles durchgestaltet ist oder gelebt wirkt. Ich versuche aber, nicht zu schnell zu urteilen. Für mich hat jede Liegenschaft eine eigene Seele, und genau die möchte ich in meinen Videos spürbar machen.

Entscheidungen, die bleiben

Welche Umbauten oder Renovationen haben Eigentümer sichtbar bereut?

Ich begleite in der Regel nicht den Umbau, sondern sehe das Ergebnis. Was mir dabei auffällt: Trends altern schneller als gute Grundrisse. Sehr modische Materialien oder Lösungen, die nicht zum Charakter des Hauses passen, wirken nach wenigen Jahren datiert. Zeitlose Entscheidungen überzeugen dagegen auch lange danach noch, im Alltag wie im Video.

Wo wird beim Bauen und Sanieren erfahrungsgemäss am falschen Ort gespart?

Bei den Dingen, die man täglich sieht und anfasst: Licht, Fenster, Böden, Türen, Griffe, Schalter. Wenn dort gespart wird, wirkt selbst ein teures Haus schnell weniger hochwertig.

Und umgekehrt: Wofür geben Leute viel Geld aus, ohne dass es wirklich etwas bringt?

Grundsätzlich halte ich eine Investition in das eigene Zuhause nie für verloren, wenn sie den Bewohnern Freude bereitet. Aus meiner Beobachtung bringen jedoch Investitionen, die sich an kurzlebigen Trends orientieren, langfristig oft weniger als erwartet. Dasselbe gilt für sehr individuelle Einbauten: Sie steigern die Lebensqualität der aktuellen Eigentümer, spielen für künftige Käuferinnen und Käufer aber meist eine untergeordnete Rolle.

Gleichzeitig schätze ich genau diese persönlichen Entscheidungen sehr. Sie verleihen jeder Liegenschaft ihre eigene Identität und machen sichtbar, welche Menschen darin leben. Was aus rein wirtschaftlicher Sicht vielleicht nicht notwendig wäre, macht ein Zuhause unverwechselbar und die Welt des Wohnens so vielfältig.

Was den Wert eines Hauses ausmacht

Viele Eigentümer schätzen ihr Haus anders ein, als der Markt es tut. Woran liegt das?

Weil ein Haus für Eigentümer nicht nur aus Quadratmetern besteht, sondern aus Erinnerungen: die Kinder, die dort aufgewachsen sind, der Garten, der über Jahre gewachsen ist. Diese Geschichte bewerten sie unbewusst mit. Der Markt sieht Lage, Zustand und Vergleichsobjekte. Beide Sichtweisen sind nachvollziehbar, sie führen oft nur nicht zur gleichen Zahl.

Anisa Imhof sitzt in einem Wohnraum vor einer grossen Fensterfront
Architektur und Einrichtung bilden den Rahmen, in dem Anisa Imhof Liegenschaften vor der Kamera präsentiert. Bild: Anisa Imhof

Gibt es etwas, von dem Eigentümer überzeugt sind, dass es ihr Haus besonders attraktiv macht, während potenzielle Käufer erstaunlich wenig darauf reagieren?

Sehr individuelle Ausbauten und Liebhabereien, zum Beispiel eine sehr spezielle Inneneinrichtung. Käuferinnen und Käufer reagieren viel stärker auf das Grundgefühl: Licht, Aussicht, Raumhöhe, einen guten Grundriss und das Gefühl, sich dort das eigene Leben vorstellen zu können.

Häuser vor Publikum

Auf Social Media äussern sich Tausende zu fremden Häusern. Was haben Sie aus diesen Reaktionen darüber gelernt, was Menschen sich vom Wohnen wünschen?

Vor allem, wie unterschiedlich die Vorstellungen vom idealen Zuhause sind. Dieselbe Liegenschaft löst oft völlig gegensätzliche Reaktionen aus: Was die einen begeistert, spricht andere überhaupt nicht an. Das bestätigt mir, dass es kein allgemeingültiges Traumhaus gibt. Viele Menschen wünschen sich in erster Linie gar nicht die modernste Architektur oder die exklusivste Ausstattung. Häufig sind es grundlegende Qualitäten, die Sehnsucht wecken: ein eigener Garten, viel Tageslicht, ein Ort der Ruhe und Privatsphäre.

Anisa Imhof sitzt auf einem weissen Sofa vor einem grossformatigen Kunstwerk
Auch Kunst, Möbel und persönliche Details prägen den Charakter eines Wohnraums. Bild: Anisa Imhof

Der Blick von aussen

Sie verkaufen heute selbst keine Häuser mehr. Sehen Sie Immobilien anders, seit Sie nicht mehr diejenige sind, die am Ende den Kaufvertrag zustande bringen muss?

Ja, deutlich. Im Verkauf richtet sich der Blick zwangsläufig auf den Abschluss: auf Zielgruppe, Preis und Argumente, die eine Kaufentscheidung stützen. Heute kann ich eine Liegenschaft freier betrachten. Mich interessiert vor allem, was sie einzigartig macht und welche Atmosphäre sie ausstrahlt. Meine Aufgabe ist es, genau das sichtbar zu machen und damit Aufmerksamkeit und Begehrlichkeit zu schaffen. Die Erfahrung aus dem Verkauf hilft mir dabei sehr, denn ich weiss, worauf Käuferinnen und Käufer achten. Aber ich muss niemanden mehr überzeugen, sondern darf zeigen.

Sie kommen als Fremde in ein Zuhause, das Menschen oft jahrzehntelang geprägt haben. Wie gehen Sie damit um, wenn Sie etwas kritisch sehen?

Mit Respekt. Wenn ich in ein Zuhause komme, bin ich zu Gast. Kritik ist auch nicht meine eigentliche Aufgabe, ich überlege mir vielmehr, wie ich die Stärken eines Hauses zeigen kann. Wenn etwas im Bild nicht funktioniert, spreche ich das offen, aber behutsam an, meist ganz praktisch: Können wir das kurz wegräumen oder das Licht anders einstellen? Die meisten Eigentümer schätzen das, denn sie möchten ja, dass ihr Zuhause gut zur Geltung kommt.

Was haben Sie durch diesen Beruf über das Wohnen gelernt, das Sie vorher nicht wussten?

Dass Wohnen in der Schweiz etwas sehr Privates ist. Schweizerinnen und Schweizer sind viel zurückhaltender und bescheidener, wenn es darum geht, ihr Zuhause zu zeigen. Umso mehr schätze ich das Vertrauen, wenn mir jemand die Türen öffnet. Und ich habe gelernt, dass die Wirkung eines Hauses weniger vom Preis abhängt als von Proportionen, Licht und Details.

Anisa Imhof auf einer überdachten Terrasse mit Blick in einen Garten
Innen- und Aussenräume gehören für Anisa Imhof zur Gesamtwirkung einer Liegenschaft. Bild: Anisa Imhof

Achten Sie inzwischen im eigenen Zuhause auf Dinge, die Ihnen früher egal waren?

Ehrlich gesagt nicht wirklich. In meiner aktuellen Lebensphase ist Wohnen für mich interessanterweise sehr funktional. Ich lebe zwar in einem schönen Zuhause, aber es hat für mich derzeit keine Priorität. Für die Zukunft habe ich hingegen einiges im Hinterkopf. Durch meine Arbeit durfte ich unzählige Liegenschaften kennenlernen, und viele davon haben mich nachhaltig inspiriert.

Zum Schluss

Wenn jemand heute ein Haus kauft oder saniert und sich nur eine einzige Sache merken könnte, welche wäre das?

Dass man darauf achten sollte, was sich später nicht mehr so einfach ändern lässt: Lage, Licht und Grundriss. Küche, Böden und Farben kann man anpassen. Die Abendsonne auf der Terrasse nicht.

Porträt von Anisa Imhof

Über Anisa Imhof

Anisa Imhof ist Immobilien Content Creatorin mit fundiertem Branchenwissen. Die ehemalige Immobilienvermarkterin mit eidgenössischem Fachausweis betreibt heute den erfolgreichsten Immobilienkanal der Deutschschweiz. Mit ihren Einblicken in aussergewöhnliche Objekte im In- und Ausland begeistert sie ein grosses Schweizer Publikum. Mehr von ihr auf Instagram und TikTok

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